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Drawdown: warum ein −50-%-Verlust +100 % zur Erholung braucht

Ein Verlust und der Gewinn, der ihn ausgleicht, sind nicht gleich groß: −50 % brauchen +100 % zurück, −75 % schon +300 %. Warum Drawdown zur Schuldenfalle wird — und wie du verhinderst, dass dich die Mathematik aus dem Spiel nimmt. Mit Recovery-Rechner.

Verliere 50 Prozent deines Kontos, und du brauchst nicht 50, sondern 100 Prozent, um zurückzukommen. Der Verlust und seine Heilung sind nicht gleich groß — und je tiefer das Loch, desto steiler der Ausstieg.

Das ist keine Meinung, sondern Arithmetik. Und sie ist der Grund, warum erfahrene Trader ihre erste Frage nicht »Wie viel kann ich gewinnen?« stellen, sondern »Wie tief darf es fallen?«. Wer die Größe pro Trade nicht im Griff hat, lernt diese Rechnung auf die teure Art — die Positionsgröße ist die Stellschraube, die den Drawdown flach hält.

Das Prinzip: warum sich Drawdown nicht symmetrisch erholt

Der Trick steckt in der Bezugsgröße. Du verlierst auf das volle Kapital, aber du gewinnst auf das geschrumpfte. Fällst du von 100.000 auf 50.000, ist das ein Minus von 50 Prozent. Um zurück auf 100.000 zu kommen, musst du 50.000 auf 50.000 verdienen — also 100 Prozent. Derselbe Geldbetrag, zwei verschiedene Prozentsätze, weil sich die Basis verschoben hat.

Daraus folgt eine einzige Formel:

Nötiger Gewinn = Verlust ÷ Restkapital.

Bei 20 Prozent Drawdown sind das +25 Prozent. Bei 33 Prozent schon +49 Prozent. Bei 50 Prozent +100 Prozent. Bei 75 Prozent +300 Prozent. Die Lücke zwischen Verlust und nötiger Erholung wächst nicht linear — sie öffnet sich wie eine Schere.

Die Kurve: wo die Rechnung explodiert

Bis etwa 20 Prozent ist der Schaden überschaubar. Dann beginnt die Kurve, sich aufzustellen, und jenseits der Hälfte schießt sie senkrecht nach oben. Zieh den Drawdown selbst hoch:

Recovery-Rechner

Ein Verlust und der Gewinn, der ihn ausgleicht, sind nicht gleich groß. Zieh den Drawdown hoch und sieh, was zur Rückkehr nötig ist.

50 %
100%300%500%700%0%25%50%75%90%+100%

Verlust

50 %

Nötiger Gewinn zur Rückkehr

+100 %

Ab der Hälfte musst du dein Restkapital verdoppeln, nur um zur Null zurückzukommen.

Zum Vergleich:20 %+25 %33 %+49 %50 %+100 %75 %+300 %
Reine Mathematik (Gewinn = Verlust ÷ Restkapital), kein Renditeversprechen und kein Handelssignal. Prozente illustrativ.

Die 50-Prozent-Marke ist die psychologische und mathematische Schwelle: Ab hier musst du dein Restkapital verdoppeln, nur um wieder bei null zu stehen. Bei 90 Prozent brauchst du +900 Prozent — du müsstest dein Geld verzehnfachen. Praktisch ist das Konto dort tot, auch wenn rechnerisch noch etwas übrig ist.

Die Rechnung — ein Prozent gegen fünf

Genau hier verbindet sich der Drawdown mit der Positionsgröße. Zwei Konten, dieselbe Pechsträhne von zehn Verlierern in Folge.

Das erste riskiert 1 Prozent pro Trade. Nach zehn Verlierern steht es rund 10 Prozent im Minus — eine Erholung von etwa +11 Prozent bringt es zurück. Unangenehm, aber eine normale Arbeitswoche.

Das zweite riskiert 5 Prozent. Dieselben zehn Verlierer reißen es um rund 40 Prozent nach unten — und jetzt braucht es +67 Prozent, nur um die Null wiederzusehen. Aus derselben Pechsträhne wird beim einen eine Delle und beim anderen ein halbes Jahr Aufholjagd. Der Unterschied war nicht der Markt. Es war eine Zahl, die vor dem ersten Trade feststand.

Hinweis: Illustratives Rechenbeispiel, kein Renditeversprechen und kein Handelssignal. Drawdown- und Prozentwerte dienen der Veranschaulichung. Es gilt der Risikohinweis.

Die Regel, die das Loch flach hält

Du kannst nicht steuern, ob ein Trade verliert. Du kannst nur steuern, wie tief eine Serie von Verlierern dich zieht — und das entscheidet sich, bevor der erste davon läuft. Drei Deckel halten den Drawdown im erholbaren Bereich:

  • Risiko pro Trade begrenzen. Der kleine, feste Bruchteil (üblich 0,5 bis 1 Prozent) ist die direkte Stellschraube für die Drawdown-Tiefe. Halbe Größe heißt halb so tiefes Loch.
  • Ein Tages- und Wochen-Stopp. Nach einem festgelegten Tagesverlust ist Schluss — nicht aus Schwäche, sondern weil ein schlechter Tag sonst zur schlechten Woche wird. Der Stopp verhindert, dass aus Frust Größe wird.
  • Ein Gesamt-Drawdown-Limit. Eine harte Grenze (etwa −20 Prozent), an der die Größe halbiert oder pausiert wird. Sie sorgt dafür, dass du die senkrechte Zone der Kurve nie erreichst.

Das ist Poka-Yoke gegen den Ruin: Regeln, die den tödlichen Drawdown unmöglich machen, statt auf die Selbstbeherrschung mitten im Verlust zu hoffen.

Wann die Mathematik missverstanden wird

Drei Dinge muss man ehrlich danebenstellen, sonst zieht man die falschen Schlüsse:

  • Drawdown ist normal, der tiefe ist es nicht. Jede Edge mit positivem Erwartungswert hat Verlustserien. Ziel ist nicht, nie im Minus zu sein, sondern die Tiefe zu deckeln. Ein Trader ohne Drawdown hat meist nur noch nicht genug Trades.
  • Fixed-Fractional bremst beidseitig. Wer immer denselben Prozentsatz riskiert, verkleinert die Position im Drawdown automatisch — das schützt nach unten, verlangsamt aber auch die Erholung. Die Kurve oben ist der Worst-Case-Maßstab, nicht der exakte Pfad.
  • Das Konto erholt sich schneller als der Kopf. Der psychologische Drawdown ist oft tiefer als der echte. Wer im Loch die Größe erhöht, um schneller herauszukommen, kombiniert die Recovery-Mathematik mit der Verlustaversion — und gräbt tiefer.

Zurück zur Schere zwischen Verlust und Erholung. Du gewinnst dieses Spiel nicht, indem du die größten Gewinne machst, sondern indem du die größten Verluste vermeidest. Drawdown-Kontrolle ist kein Defensiv-Detail am Rand — sie ist die Hauptdisziplin, die alles andere erst möglich macht. Und Disziplin liest man nicht, man trainiert sie.

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