Zum Inhalt springen
WVPOACADEMY
Alle Beiträge
Forensik4 Min. LesezeitFall 3 · Fall der Woche

Bitcoin 2020: Anatomie eines Shakeouts — als der Crash zur Sprungfeder wurde

Am 13. März 2020 druckt Bitcoin ein Intra-Wochen-Tief von 4.107 $ — gut 2.400 $ unter die Range gefegt. Genau dieser Crash war kein Ende, sondern die Sprungfeder vor dem Markup bis 68.790 $. Forensik eines Shakeouts auf Echtdaten.

Am 12. März 2020 fällt Bitcoin an einem einzigen Tag von rund 7.900 auf 4.971 Dollar — gut 37 Prozent. Am Folgetag druckt das Intra-Wochen-Tief 4.107 Dollar. Für die meisten war das der Beweis, dass die Sache vorbei ist. Tatsächlich war es der Tiefpunkt vor einem Markup auf 68.790 Dollar.

Das ist die dritte Seite desselben Würfels. In der Gold-Akkumulation sammelt der Composite Man leise am Tief ein; in der Nasdaq-Distribution verteilt er leise am Hoch. Der Shakeout ist der Moment dazwischen, der am brutalsten aussieht und am meisten lehrt: ein Schlag unter die Unterstützung, der die Stops abholt — und sich dann als Falle entpuppt.

Der Tatort: woher die Daten kommen

Datenquelle ist Bitcoin (BTC-USD) von Yahoo Finance, Zeitebene Woche, Zeitraum September 2019 bis Dezember 2021. Die Linie im Chart sind die Wochen-Schlusskurse auf logarithmischer Achse — ohne sie wären 4.107 und 68.790 Dollar nicht in einem Bild lesbar. Das Tief von 4.107 stammt aus den Tagesdaten des 13. März 2020. Jeder Wert in diesem Beitrag ist gegen die Rohdatenreihe geprüft.

Bitcoin (BTC-USD), Wochenschluss · Yahoo Finance · Sep 2019 – Dez 2021 · logarithmische Achse · Intra-Wochen-Tief vom 13.03.2020 aus Tagesdaten · jeder Wert gegen die Rohreihe geprüft.

Drei Befunde tragen den Fall.

Befund 1: Die Range, die kaum jemand beachtete

Nach dem Hoch von 13.796 Dollar im Juni 2019 fällt Bitcoin zurück und konsolidiert über Monate. Von September 2019 bis Februar 2020 entsteht eine klare Trading Range: Der Widerstand liegt bei rund 10.900 Dollar (Anfang September 2019), der Support bei rund 6.540 Dollar — das Tief vom 16. Dezember 2019. Drei Monate lang hält dieser Boden.

Eine Range ist keine Pause. Sie ist die Bühne, auf der entschieden wird, wer am Ende den Bestand hält. Der Support bei 6.540 war die Linie, an der die Käufer den Verkauf jedes Mal auffingen — und damit zugleich die Linie, unter der die Stop-Orders der Käufer lagen. Genau dort liegt die Liquidität, die ein Markdown anzapft.

Befund 2: Der Schlag unter den Support

Am 12. März 2020 — »Black Thursday« — kollabiert die Risikobereitschaft an allen Märkten gleichzeitig. Bitcoin verliert an einem Tag gut 37 Prozent, am 13. März druckt das Intra-Wochen-Tief 4.107 Dollar. Das sind rund 2.400 Dollar unter dem Support von 6.540.

Hier ist die ehrliche Einordnung, die der Hindsight-Guru weglässt: Dieser Crash hat nicht das Bärenmarkt-Tief von Dezember 2018 (rund 3.100–3.400 Dollar) unterboten. Es war kein neues Allzeit-Extrem. Was hier passierte, war ein Schlag unter die aktive Range — ein Sweep, der die Liquidität unter 6.540 abholte. Ein Shakeout misst sich an der Struktur, die gerade gilt, nicht am Tiefpunkt aller Zeiten.

Befund 3: Der Reclaim — woran man die Sprungfeder erkennt

Ein Schlag unter den Support macht noch keine Sprungfeder. Entscheidend ist, was danach passiert. Schon der Wochenschluss am 30. März 2020 steht wieder über dem Support — bei 6.791 Dollar. Der Bruch hielt keine drei Wochen. Was wie der Beginn des nächsten Abgrunds aussah, war ein Fehlausbruch nach unten: Das Angebot unter der Range war abgeholt, und der Kurs kehrte über die Linie zurück.

Ab hier ist es Markup. Ende Juli 2020 schließt Bitcoin über dem Range-Widerstand (11.054 Dollar). Im Dezember 2020 erobert er das alte Allzeithoch von 2017 bei rund 20.000 Dollar zurück. Und im November 2021 markiert er das Zyklushoch: 68.790 Dollar. Der tiefste, panischste Docht des ganzen Zyklus stand am Anfang der größten Aufwärtsbewegung.

Die unbequeme Lehre

Niemand konnte am 13. März 2020 wissen, dass 4.107 das Tief sein würde. Wer das im Nachhinein als sauber geplanten Einstieg verkauft, betreibt Hindsight — und genau daran erkennt man die Gurus. Was in Echtzeit lesbar war, war keine Prognose, sondern eine Abfolge schlichter Strukturfakten:

  • Ein Support, der drei Monate gehalten hatte (rund 6.540 Dollar).
  • Ein Schlag weit darunter, der die Liquidität abholte (4.107 Dollar, 13. März).
  • Ein Wochenschluss zurück über dem Support binnen drei Wochen (6.791 Dollar, 30. März).

Keiner dieser Punkte verlangt einen Indikator. Sie verlangen, dass man den Shakeout als Werkzeug versteht statt als Katastrophe: Der Markt nimmt sich die Liquidität, die er für den nächsten Zug braucht, dort, wo am meisten davon liegt — unter einer Unterstützung, an die alle glauben. Die Sprungfeder erkennt man nicht am Tief. Man erkennt sie am Reclaim.

Hinweis: Forensische Rekonstruktion eines abgeschlossenen Falls — keine Prognose, kein Handelssignal. Datenquelle BTC-USD (Yahoo Finance), Wochenschluss; das Tief vom 13.03.2020 ist das Intra-Wochen-Extrem aus Tagesdaten. Es gilt der Risikohinweis.

Drei Fälle, ein Mechanismus: Akkumulation am Tief, Distribution am Hoch, Shakeout dazwischen. Immer dieselbe Hand, immer dieselbe Frage an dich — liest du die Struktur, während sie passiert, oder erst, wenn die Kerze längst geschlossen ist?

Den Maschinenraum abonnieren

Neue Beiträge per Mail — Double-Opt-in, jederzeit abbestellbar, kein Spam.

Double-Opt-in: Du bestätigst per Link in der Mail. Abmeldung jederzeit.