Zum Inhalt springen
WVPOACADEMY
Alle Beiträge
Trading-Geschäft7 Min. Lesezeit

Daytrader werden neben dem Beruf: Der Weg beginnt in der Abendsession

Niemand muss kündigen, um Daytrader zu werden. Die liquideste Handelszeit des Tages liegt für Berufstätige am Abend. Wie der feste Beruf die Lehrzeit absichert und wohin dieser Weg führt.

Die übliche Vorstellung geht so: Wer Daytrader werden will, kündigt, setzt alles auf eine Karte und lebt ab dem ersten Monat vom Markt. Nötig ist das nicht, und klug ist es auch nicht. Der bessere Weg ist unspektakulärer und führt weiter. Du behältst deinen Beruf, handelst am Abend und lernst das Handwerk mit einem Gehalt im Rücken.

Daytrader werden neben dem Beruf ist deshalb kein Kompromiss für Vorsichtige. Der feste Beruf ist das stärkste Werkzeug, das ein Anfänger hat. Er bezahlt die Lehrzeit, er nimmt den Druck aus jeder Entscheidung, und er lässt dir so viel Zeit, wie du brauchst. Die Freiheit des Traderlebens steht am Ende dieses Weges, und sie läuft dir nicht weg.

Warum Daytrader werden gerade jetzt reizt

Die Gründe sind handfest. Ein Angestellter verdient, solange sein Arbeitgeber Aufträge hat, und ein Langfristdepot verdient, solange die Kurse steigen. Der Daytrader handelt long und short. Er braucht Bewegung, keine bestimmte Richtung, und unruhige Märkte liefern davon mehr als ruhige. Am Ende des Handelstags ist jede Position geschlossen, keine Schlagzeile über Nacht trifft ein offenes Konto.

Dazu kommt die Form, die dieses Einkommen später annehmen kann. Ein Handelsbetrieb hat keinen Standort, keine Kunden, die anrufen, kein Personal und kein Lager. Er wächst ohne Mehrarbeit, weil dieselbe Entscheidung einen Kontrakt trägt oder zehn. Und er kennt keine Altersgrenze. Der Autor der Buchreihe »Der Composite-Man-Code« handelt seit 1976.

Das alles ist erreichbar. Offen ist nur der Weg dorthin, und hier hat der Berufstätige einen Vorteil, den er meist übersieht.

Die Abendsession: Daytrading neben dem Beruf beginnen

Wer in Deutschland arbeitet, hat Glück mit der Zeitzone. Die reguläre New Yorker Handelszeit läuft im Winter von 15:30 bis 22:00 Uhr MEZ. Band I führt sie in Kapitel 4 als Session mit der höchsten Liquidität und als WVPO-Kernzeit. Wer um 18 Uhr nach Hause kommt, hat also noch mehrere Stunden des liquidesten Handels vor sich, den der Tag zu bieten hat. Den Arbeitstag muss dafür niemand opfern.

Für den Anfang genügt wenig. Ein paar konzentrierte Abendstunden in der Woche reichen, wenn sie regelmäßig stattfinden und einem Plan folgen. Die Kontraktgrößen passen dazu: Micro-E-mini-Futures auf die US-Aktienindizes bilden ein Zehntel des Standardkontrakts ab.

Und wer noch gar kein Geld riskieren will, übt im Replay. Der Chart läuft Kerze für Kerze, die Entscheidung fällt, ohne dass ein Euro im Markt liegt. Das geht am Sonntagvormittag so gut wie am Dienstagabend.

Was der Beruf dem Anfänger gibt: Absicherung für die Lehrzeit

Die belastbarste Untersuchung zum Daytrading stammt von Barber, Lee, Liu und Odean (»The Cross-Section of Speculator Skill: Evidence from Day Trading«, Journal of Financial Markets, 2014). Die Forscher werteten die vollständigen Transaktionsdaten der Taiwan Stock Exchange von 1992 bis 2006 aus, im Durchschnittsjahr rund 450.000 Daytrader. Weniger als 1 % erzielte nach Transaktionskosten dauerhaft positive Renditen. Über drei Viertel hörten binnen zwei Jahren auf.

Diese Zahlen entmutigen nur, solange man nicht fragt, woran die Mehrheit scheitert. Band I beschreibt es in Kapitel 3: Overtrading, zu große Positionen und der Versuch, einen Verlust sofort zurückzuholen. Viele dieser Fehler entstehen unter Druck. Wer vom Trading leben muss, braucht in diesem Monat Gewinn, und wer Gewinn braucht, handelt zu oft und zu groß.

Der Berufstätige steht anders da. Sein Gehalt kommt, gleichgültig wie der Abend lief. Er kann einen Verlusttag hinnehmen, eine Woche aussetzen oder ein halbes Jahr nur im Replay üben. Er handelt mit Geld, das er nicht zum Leben braucht, und mit der kleinsten Kontraktgröße. Er riskiert wenig und lernt dasselbe. In einem Handelshaus bezahlt der Arbeitgeber die Lehrjahre eines Händlers. Beim Abendtrader übernimmt das der eigene Beruf.

Und er hat Zeit. Kein Regelwerk muss nach drei Monaten Geld verdienen. Es darf geprüft werden, bis die Zahlen ein Urteil erlauben. Wie diese Prüfung aussieht, steht im Beitrag über die Trading-Edge als Betrieb.

Vom Abendtrader zum Betrieb: die Trilogie als Bauplan

Was der Abendtrader in dieser Zeit braucht, ist eine Reihenfolge. Die drei Bände der Reihe geben sie vor.

Band I, »Das institutionelle Marktbild«, übernimmt die Rolle des Ausbilders. Wyckoff, Volumenprofil, Price Action und Orderflow werden im WVPO-Trichter zu einem zusammenhängenden Bild: wer den Markt bewegt, wo der Composite Man Positionen aufbaut und woran man das im Chart erkennt. Leseprobe und Inhaltsverzeichnis stehen auf der Seite zu Band I.

Band II, »Das institutionelle Playbook«, liefert das Regelwerk. Sechs Kern-Setups, fünf AVWAP-Spezialvarianten und das Trade-Management geben vor, was gehandelt wird und was nicht. Der Teil zur Überlebensmathematik legt Positionsgröße und Risiko pro Trade fest, bevor die Order im Markt liegt.

Band III, »Die Operator-Reife«, macht aus dem Regelwerk eine Gewohnheit. Forensische Psychologie, die Architektur des Handelstags und Audit-Routinen sorgen dafür, dass der Trader sich selbst so prüft, wie ein Handelshaus ihn prüfen würde.

Einsteiger gehen den Weg meist umgekehrt. Sie handeln zuerst, suchen danach Regeln und verstehen den Markt zuletzt, und jede Etappe kostet Geld. Die Trilogie dreht die Reihenfolge um, und das ist der Grund, warum sie den Einstieg beschleunigen kann.

Wann aus dem Nebenberuf ein Traderleben wird

Der Schritt in die Selbstständigkeit ist keine Mutprobe, er ist eine Rechnung. Kapitel 17 von Band I legt fest, ab wann eine Methode als geprüft gilt: erst Replay, dann Forward-Test, dann die Auswertung einer ausreichend großen Zahl von Trades. Wer über viele Monate neben dem Beruf ein vollständiges Journal geführt hat, kennt seine Zahlen. Er weiß, was ein durchschnittlicher Trade einbringt, wie tief seine Verlustserien reichen und wie er sich in ihnen verhält.

Mit diesem Wissen fällt die Entscheidung ruhig. Manche verkürzen zuerst die Arbeitszeit, manche bleiben bei beidem, manche wechseln ganz. Wer wechselt, tut es mit einem geprüften Regelwerk und ohne Sprung ins Ungewisse.

Dann gehören ihm die Vorzüge, wegen derer er angefangen hat: ein Arbeitsplatz, der in eine Tasche passt, ein Tag, den er selbst einteilt, ein Einkommen, das an keinem Arbeitgeber hängt. Er kann sie gelassen genießen, weil er weiß, worauf sie stehen.

Skalierung: was dem geprüften Trader offensteht

Die Reihe beschreibt die Ausbildung in drei Reifestufen. In der Höhle entsteht das Fundament, im Aufstieg wird der Prozess installiert, in der Rückkehr gibt der Trader weiter, was er selbst belegt hat. Wer diese Stufen durchlaufen und die Rückkehr gemeistert hat, besitzt etwas, das kaum ein anderer Beruf kennt: ein Können, das sich ohne Mehrarbeit vervielfachen lässt.

Ein Handwerker, der doppelt so viel verdienen will, muss doppelt so lange arbeiten oder Leute einstellen. Ein Chirurg operiert einen Patienten zur selben Zeit, nie zwei. Der Trader ändert eine Zahl im Orderfenster. Die Analyse bleibt dieselbe, der Einstieg bleibt derselbe, der Stop auch, und die Arbeitszeit wächst um keine Minute. Aus dem Micro-Kontrakt wird der Standardkontrakt, das Zehnfache. Aus einem Kontrakt werden fünf, später zwanzig.

Dafür braucht es kein Personal, keine Halle, keine Maschine und keinen Kredit. Die großen Index-Futures der New Yorker Session sind so liquide, dass ein privater Trader ihre Grenze lange nicht berührt. Für einen dauerhaft profitablen Trader sind die Möglichkeiten deshalb enorm. Sein Einkommen hängt nicht mehr an seiner Arbeitszeit. Es hängt an der Qualität seines Prozesses und an der Größe, die er verantwortet.

Wie schnell die Größe wachsen darf, regelt Band II in der Überlebensmathematik: Die Positionsgröße folgt dem Konto und dem Risiko pro Trade, nie der Laune. Skaliert wird eine geprüfte Edge und nur sie, denn die größere Position vergrößert jeden Fehler im selben Maß wie jeden Treffer. Genau deshalb steht die Skalierung am Ende der Ausbildung. Dort ist sie dann aber auch der einfachste Schritt des ganzen Weges.

Warum du dieses Ziel erreichen kannst

Die Statistik vom Anfang zählt alle Daytrader, auch die vielen, die ohne Plan, ohne Regelwerk und unter Existenzdruck handeln. Du musst nicht zu ihnen gehören. Wer den Beruf behält, klein anfängt, nach Regeln handelt und jeden Trade misst, hat die häufigsten Gründe des Scheiterns ausgeräumt, bevor der erste Euro im Markt liegt. Das verschiebt die Aussichten grundlegend zu deinen Gunsten.

Der Autor sagt es nach fünfzig Jahren am Markt ohne Umschweife: Wer diesen Weg mit der Trilogie und der Operator-Academy diszipliniert zu Ende geht, erreicht das Ziel mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit. Die Werkzeuge dafür liegen bereit. Die Trilogie liefert das Wissen in der Reihenfolge, in der es gebraucht wird. Die Operator-Academy, die gerade entsteht, liefert das Training dazu: Blind-Replay, das WVPO-Journal und am Ende ein Urteil über deine eigene Edge, gerechnet aus deinen Zahlen.

Du brauchst dafür keine Kündigung und kein großes Konto. Du brauchst einen freien Abend, das erste Kapitel und die Geduld, mit dem Marktbild anzufangen statt mit dem ersten Trade. Alles andere wächst von dort.

Hinweis: Dieser Beitrag ist Bildung, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Handel. Er ist keine Zusage künftiger Ergebnisse. Der Handel mit Futures und anderen gehebelten Produkten kann zu Verlusten bis zum gesamten eingesetzten Kapital und darüber hinaus führen. Es gilt der Risikohinweis.

Den Maschinenraum abonnieren

Neue Beiträge per Mail — Double-Opt-in, jederzeit abbestellbar, kein Spam.

Double-Opt-in: Du bestätigst per Link in der Mail. Abmeldung jederzeit.